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Gäste bei der Einweihung der Gedenktafel für Hermann Arndt in der Ferdinandstraße in Frankfurt (Oder)

Erinnerung, die verpflichtet: Gedenktafel für Hermann Arndt / Zvi Aharoni enthüllt

ERINNERUNGSKULTUR / FRANKFURT (ODER) / 23. SEPTEMBER 2026

Ein Leben, das Geschichte schrieb. Eine Begegnung, die bis heute wirkt.

Ohne ihn gäbe es Building Bridges vielleicht nicht. Am 23. September 2026 wurde in Frankfurt (Oder) eine Erinnerungstafel für Hermann Arndt enthüllt, der als Zvi Aharoni Geschichte schrieb.

In der Ferdinandstraße 15 kamen Gäste aus der Stadt, Wegbegleiter und Angehörige aus Israel zusammen. Die Tafel ist Teil des Projekts „Erinnerungstafeln“ der Frankfurter Netzwerkstatt, das bedeutende Persönlichkeiten der Stadtgeschichte sichtbar macht und mit weiterführenden Informationen verbindet.

Die Gedenktafel in Frankfurt (Oder): gemeinsam erinnern und Geschichte sichtbar machen.

EIN FRANKFURTER, DER GESCHICHTE SCHRIEB

Hermann Arndt
/ Zvi Aharoni

Hermann Arndt wurde 1921 in Frankfurt (Oder) geboren und besuchte das Friedrichsgymnasium. Als junger Mann emigrierte er nach Palästina und nannte sich dort Zvi Aharoni.

1960 spielte er als Mossad-Agent die zentrale Rolle bei der Fahndung nach Adolf Eichmann in Argentinien. Eichmann war einer der Hauptorganisatoren des Holocaust. Er wurde in Buenos Aires gefasst, nach Israel gebracht und dort vor Gericht gestellt.

Der Fall zählt bis heute zu den bekanntesten der Nachkriegsgeschichte.

DIE GESCHICHTE VON BUILDING BRIDGES

Aus einer Begegnung wurden Brücken.

Mit Hermann Arndt beginnt die Geschichte von Building Bridges. Was mit einem Briefkontakt begann, entwickelte sich zu Begegnungen und später zu internationalen Jugendprojekten.

1993

Eine erste Verbindung

Lehrkräfte des Friedrichsgymnasiums nehmen über Briefe Kontakt zu ihrem ehemaligen jüdischen Schüler auf.

1996

Worte, die bleiben

Hermann Arndt besucht die Schule und gibt den Schülerinnen und Schülern einen Satz mit auf den Weg.

1999

Building Bridges beginnt

Die erste Reise mit Jugendlichen nach Israel und Palästina wird zum Ausgangspunkt von Building Bridges.

HERMANN ARNDT / ZVI AHARONI · 1996

„Vergesst nie das braune Kapitel der deutschen Geschichte und vergesst auch nicht die Palästinenser.“

Wir haben diese Worte als Verpflichtung verstanden. Aus ihnen entstand 1999 die erste Reise mit Jugendlichen nach Israel und Palästina – und aus dieser Reise wurde Building Bridges.

Peter Staffa, Initiator von Building Bridges, konnte bei der Enthüllung persönliche Worte sprechen. Die Frankfurter Netzwerkstatt dankte ihm ausdrücklich dafür, dass er Leben und Wirken von Hermann Arndt wieder ins Bewusstsein der Stadt geholt hatte – mit einer gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern gestalteten Ausstellung und durch seine langjährigen persönlichen Kontakte zu Arndt und seiner Familie. Damit trug er wesentlich zum Gelingen der Tafel bei.

DIE FEIERSTUNDE

Viele Stimmen. Eine gemeinsame Erinnerung.

Professor Gangolf Hübinger begrüßte die Gäste. Dr. Franziska Wilke sprach für die Paten und Förderer der Tafel. Anschließend würdigte Professor Hübinger Hermann Arndt und ordnete sein Wirken historisch ein. Nach den Worten von Peter Staffa kamen die Angehörigen zu Wort: Yali Eshel, Daphne Aharoni Paran und Valerie Arndt. Zum Abschluss wurde die Tafel enthüllt. Auch die Märkische Oderzeitung und der rbb berichteten über die Veranstaltung.

Worte des Erinnerns während der Feierstunde.

Begegnungen rund um die Einweihung.

EINE STIMME, DIE BERÜHRT

„Dieses Projekt ist nicht einfach nur wichtig. Es ist notwendig.“

Besonders berührt hat uns die Rede von Yali Eshel, der Enkelin von Hermann Arndt. Sie erzählte, wie ihre Verbindung zu Building Bridges begann: ganz zufällig, bei einem kurzen Gespräch mit unserer Vorsitzenden Liane Matern am Flughafen, an dem Yali damals arbeitete. Ein oder zwei Jahre später reiste sie nach Deutschland und erlebte die Begegnungen unserer Jugendlichen aus nächster Nähe – ihre Fragen, schwierigen Gespräche und die Beziehungen, die dabei entstanden.

„Ein Bildschirm kann einem eine Meinung zeigen. Aber er kann einem keine Beziehung geben.“

Yali Eshel, Enkelin von Hermann Arndt / Zvi Aharoni

Begegnung statt Vorurteile.

Yali Eshel machte deutlich: Das Ziel sei nicht, dass alle am Ende einer Meinung sind. Es gehe darum, einen Raum zu schaffen, in dem junge Menschen einander begegnen, schwierige Fragen stellen und einander zuhören können. Denn es ist leicht, eine Meinung über jemanden zu haben, dem man nie begegnet ist. Viel schwerer ist es, einen Menschen auf ein Stereotyp zu reduzieren, nachdem man neben ihm gesessen, mit ihm gelacht und seine Geschichte gehört hat.

In einer Zeit großer Spaltung, in der Antisemitismus real bleibt und Hass sich besonders im Internet rasant verbreitet, sei das wichtiger denn je.

Auch das Lernen über den Holocaust beschrieb sie als mehr als Daten und Fakten. Es gehe darum zu verstehen, was geschehen kann, wenn Menschen entmenschlicht werden und Hass zur Normalität wird. An den historischen Orten in Israel, Deutschland und Polen – gemeinsam mit Menschen, deren Familien ganz unterschiedliche Bezüge zu dieser Geschichte haben – werde Geschichte greifbar. Solche Gespräche müssten nicht einfach sein. Echter Dialog bedeute, genug Vertrauen zu schaffen, um sagen zu können „So fühle ich mich“, und dann bereit zu sein zu hören „So sehe ich es“.

„Wir können nicht ändern, was in der Vergangenheit geschehen ist, aber wir können entscheiden, was wir heute tun.“

YALI ESHEL
ERINNERUNG ALS AUFTRAG

Brücken bauen, wo andere Mauern sehen.

Für uns ist die Tafel mehr als ein Stück Stadtgeschichte. Sie erinnert daran, warum wir junge Menschen aus Deutschland, Israel, Palästina und Polen zusammenbringen: um aus der Geschichte zu lernen, einander zuzuhören und Brücken zu bauen, wo andere Mauern sehen.

Wir danken der Frankfurter Netzwerkstatt, den Paten der Tafel und allen Beteiligten. Ein besonderer Dank gilt der Familie von Hermann Arndt / Zvi Aharoni, die für diesen Tag nach Frankfurt (Oder) gekommen ist.

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